Cottbus. Übergreifendes Angebot für trauernde Eltern und Angehörige

Der stellvertretende Koordinator des ambulanten Hospizdienstes der Malteser, Benjamin Kaschula, kam in seiner Arbeit regelmäßig mit der Trauer um verstorbene Kinder in Kontakt. Vereinzelte Angebote für Eltern gab es bereits. Sie hatten ihre Kinder unerwartet, durch eine tödlich verlaufende Krankheit oder noch vor der Geburt verloren. Es waren jedoch eher vereinzelte Gruppen, lose Trauerzusammenkünfte oder kleine Gedenkveranstaltungen, in denen sie sich zusammenfanden.

Benjamin Kaschula erfuhr in vielen persönlichen Gesprächen in Cottbus immer wieder davon, dass die Betroffenen ein Bedürfnis nach einer größeren, gemeinsamen und öffentlichen Gedenkfeier in der Stadt haben. Diesem Wunsch nahm er sich an und im Sommer 2018 wurden die Pläne konkreter. Es wurde ein breites Netzwerk an Unterstützern akquiriert, die in Cottbus ebenfalls in der Hospiz- und Trauerarbeit aktiv sind. So begann die Organisation einer übergreifenden Veranstaltung. Gemeinsam wurde eine Gedenkfeier vorbereitet, die es ermöglichen sollte, in Gemeinschaft mit anderen die Trauer über den Verlust der eigenen Kinder auszudrücken und so auch ein öffentliches Zeichen zu setzen.

Im Advent 2018, der Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu, wurde dann die erste Gedenkfeier für verstorbene Kinder in Cottbus begangen. Mehr als 120 Betroffene, Eltern, Geschwister, Bekannte und Freunde nahmen - begleitet von Mitarbeitern und Helfern aus den verschiedenen Diensten, Institutionen und Gemeinden des gebildeten Netzwerkes - an der Feier teil. Gedacht wurde den Verstorbenen in einer würdevollen und andenkenden Atmosphäre.

Als Symbol über das „Ent-falten ihrer Trauer“ brachten die Betroffenen und Trauernden Schachteln zum Altar, die ein Bild, ein Symbol, eine Überschrift oder einen Namen enthielten. Im Trauerprozess eines jeden stellen sich immer wieder Fragen nach dem richtigen Zeitpunkt, der richtigen Art und dem richtigen Zeichen für die persönliche Erinnerung. So war es ein kraftspendender Schatz, die Schachtel mit den persönlichen Erinnerungen in der Gemeinschaft zu öffnen und zu wissen, mit dem Verlust eines Kindes nicht allein zu sein.

Um die Trauernden auch im Anschluss zu begleiten, wurde ein Raum für Begegnung, Gespräche und Austausch in der Marienkirche in Cottbus angeboten. Die Namen der Verstorbenen wurden in ein Lebensbuch eingetragen. Dieses Lebensbuch hat der Hospizdienst der Malteser vor einiger Zeit als sichtbares Zeichen der Erinnerung begonnen. Die Veranstaltung endete mit dem Aufsteigen zahlreicher bunter Luftballons als Gruß an die verstorbenen Kinder im Himmel.

Die Resonanz zur Gedenkfeier war durchweg positiv, sodass auch in 2019 wieder eine solche Veranstaltung geplant ist.